Vorbereitung des Motorrads


Soll für die Reise das eigene Motorrad verwendet werden, so muss dieses umfassend auf die geplante Reise vorbereitet werden. Spätere Modifikationen im Verlauf der Reise sind häufig nur mit großem Zeit- und Geldeinsatz realisierbar.

Vollständige Wartung

Jedes Motorrad hat, abhängig von der jeweiligen Konstruktion, bestimmte Verschleißteile, welche in vom Hersteller festgelegten Wartungsintervallen kontrolliert und ggf. ersetzt werden müssen. Dazu gehören unter anderem:

  • Funktionstest aller Bedienelemente (Beleuchtung, Horn etc.)
  • Kette: Überprüfung und ggf. Ersatz der Kette (bei Kraftübertragung mittels Kette). Für Langfahrten sollte eine besonders haltbare Kette, beispielsweise vom renommierten Hersteller DID, verwendet werden.
  • Ölwechsel inklusive Filterwechsel
  • Sichtkontrolle der Zündkerzen, ggf. ersetzen
  • Kontrolle der Ein- und Auslassventile. Ggf. neu einzustellen
  • Bei Speichenrädern: Kontrolle der Speichen auf Festigkeit. Sind die Speichen nicht mehr festzuziehen, müssen ggf. Speichen ersetzt werden
  • Kontrolle des Bremssystems: Dichtigkeit der Schläuche, Bremswirkung, Kontrolle der Bremsbeläge (ggf. ersetzen)

Im Grunde ist dieser Routinecheck wie eine sehr ausführliche Hauptuntersuchung- keiner will mit einem „Bastlermotorrad“ auf Weltreise gehen. Dies wäre einfach nur grob fahrlässig und ggf. lebensgefährlich.

Anpassungen auf zu erwartende Beanspruchung

Jede geplante Motorradtour kommt mit ihren eigenen, Speziellen Anforderungen an die Maschine einher. Eine Reise über die „Route 66“ birgt ein anderes Reiseprofil als das Durchfahren Russlands auf der BAM, der „Baikal Amour Magistrale“. Ersteres geht mit 100% geteerten Straßen einher, letzteres mit annähern 0%. Sinnvolle Fragen, um das eigene Profil zu charakterisieren, sind beispielsweise:

  • Alleine oder „Two-Up“ auf dem Motorrad?
  • Sind auf der Reise ständig andere Menschen für Hilfestellungen (z.B. Aufrichten nach Umfallen) verfügbar?
  • Wie hoch ist der zu erwartende Anteil an Asphalt? Wie hoch der Anteil an schwerem Gelände mit Furtdurchquerungen oder tiefem Sand/Schlamm?
  • Welche Höhen über dem Meeresspiegel werden mit dem Motorrad erreicht?
  • Welche Steigungen sollen/müssen mit dem Motorrad bewältigt werden?
  • Ist die Versorgung mit hochwertigem Benzin auf der gesamten Route gesichert?
  • Welchen Temperaturen, Jahreszeiten und Klimazonen bin ich/ist das Motorrad auf der Reise ausgesetzt?

Abhängig von der zu erwartenden Zuladung (Fahrer, ggf. Beifahrer und Gepäck) muss das Fahrwerk, insbesondere der Dämpfer der Hinterradschwinge, angepasst werden. Da sich die Artikel hierbei je nach Motorradmodell stark unterscheiden, möchte ich an dieser Stelle auf die jeweiligen Spezialforen verweisen.
Die Wahl der Bereifung und der Übersetzung (Ritzel und Kettenrad) hängt maßgeblich vom Zustand der Fahrbahn und den erwarteten Steigungen ab. Vereinfacht gesagt: Für die oben genannte BAM-Route ist Grobstollenprofil Pflicht, für den Route-66-Trip ist ein langlebiges Asphalt-Profil anzuraten. Dazwischen gibt es aufgrund der vielen Hersteller ein Kontinuum mit jeder denkbaren Nuance an Fahreigenschaften. Ein überaus beliebter Reifen ist bei Langfahrern der Heidenau K60, welcher angenehme Fahreigenschaften auf Asphalt mit starkem Offroadprofil verbindet. Trotz der groben Stollen ist das Fahrgeräusch und der Verschleiß auf Asphalt überschaubar.
Bei Motorrädern mit Vergasern spielt die zu erwartende Höhe über dem Meeresspiegel eine gewisse Rolle. Neben geringerer Leistung aufgrund des niedrigeren Partialdrucks in großer Höhe verändert sich bei Vergasermotoren auch die Gemischzusammensetzung. Der Benzinanteil wird mit zunehmender Höhe größer, das Gemisch also zu fett. Je nach Motorrad kann es sinnvoll sein, die Bedüsung des Vergasers zu verändern. Dies ist eine sehr sensible Tätigkeit, die nur von erfahrenen Mechanikern (oder Hobbyschraubern) durchgeführt werden sollte. Im Zweifelsfall ist eine Rücksprache mit dem Motorradmechaniker des Vertrauens sinnvoll. Gefährlich ist es, wenn Motorräder auf große Höhen eingestellt werden und dann auf Meeresniveau fahren. Das magere Gemisch kühlt den Zylinder nicht mehr ausreichend von innen und kann zu schweren Schäden bis hin zu Kolbenklemmern führen!
Je nach Zielregion muss überprüft werden, ob das lokal verfügbare Benzin problemlos getankt werden kann. Dafür sind Herstellerfreigaben und Erfahrungen aus Herstellerspezifischen Internetforen hilfreich.
Wenn die Reise durch kalten Jahreszeiten oder in kalte Klimazonen führt, muss das Kaltstartverhalten des Motorrads überprüft und ggf. verbessert werden. Außerdem ist die Anschaffung einer Griffheizung in Betracht zu ziehen, da die Hände der Teil des Körpers ist, welcher bei längeren Fahrten am ehesten auskühlt.

Gepäcklösungen

Für die Wahl der Gepäcklösung bestehen zwei grundsätzliche Wahlmöglichkeiten: feste Koffer oder „Soft-Luggage“. Letzteres sind von der Idee her Taschen, welche mit den aus dem Fahrradbereich bekannten Seitentaschen verglichen werden können. Bei dieser Entscheidung scheiden sich die Geister. Ich muss zugeben, bis heute noch kein Soft-Luggage-System verwendet zu haben. In der Theorie verteilen sich Vor- und Nachteile wie folgt:

Suft-Luggage
  • Geringes Gewicht
  • Schnell demontierbar
  • Nach Unfällen nicht deformiert
  • Schlechterer Diebstahlschutz
  • Weniger Schutz des Gepäcks
Feste Koffer (meist Aluminium)
  • Guter Schutz des Gepäcks
  • Vergrößerte Auflagefläche für weiteres Gepäck
  • Verhältnismäßig guter Diebstahlschutz
  • Hohes Gewicht im Vergleich
  • Bei geringerer Beladung trotzdem großes Volumen/sperriger Anbau

Weitere Vorbereitungen und „mentales Setup“

Jeder, der schon einmal länger auf Motorradtour war, kennt diesen Anspruch: das Motorrad muss absolut verlässlich sein, mit einer Baustelle wird sich niemand auf den Weg machen. Im zentralasiatischen Hochland oder in der Weite Alaskas will niemand wegen eines technischen Defekts liegen bleiben. Versprochen. Meines Erachtens ist die beste Vorbereitung, sich diese Denkweise zueigen zu machen. Wer dies verinnerlicht hat wird nicht so auf Tour gehen, wie es in der Seefahrt als „gegen die gute Seemannschaft verstoßend“ bezeichnet würde.
Weitere, mögliche Vorbereitungen hängen von verschiedenen Faktoren ab. In Form von Stichworten sei an dieser Stelle noch auf folgende mögliche Anpassungen verwiesen:

Sitzbank (bequemer/höher/niedriger), Vergrößerung der Gepäckauflage, größerer Tank, Halterungen für Ersatzkanister und Bordwerkzeug, stärkere Scheinwerfer, Handprotektoren, verstärkte Fußrasten, geeigneter Ständer, veränderte Auspuffanlage (für besser passende Gepäcksysteme), veränderter Ansaugtrakt (für höhere Sicherheit bei Wasserquerungen), Windschild (anders oder neu), automatischen Kettenöler (z.B. Scott Oiler), Zigarettenanzünder (für USB-Anschluss).